Die Gedanken des Brüninger Michael, im Hotel auf den Maharadscha wartend

Wie lang wead des no dauern? Jetzt muaß I auf die Uhr schaugn... schickt si wahrscheinlich ned in so am feinen Haus. Jetzt sitz i hier a Stund und wart drauf, dass sich der Herr bequemt, aber so ist’s nu amal mit den hohen Herr- schaften, die haben ja immer was zu tun, was Wichtig’s, was Weltpolitisches, da muss unseroana als einfacher Schneider deaf warten. Und ned amal rau- chen derf ma hier, eine schöne rassige Havanna, des war’s scho, weil mein Herz gar so schnell schlogt. Aber man derf ja ned undankbar sein, weil so ein Auftrag, also so was, das einem das im Leben noch passiert, mir, als einfa- chem Schneider aus Gröbenzell, also wenn das die Mama noch erlebt hätt, dass ich, ausgerechnet ich, so einer weltbekannten Herrschaft Maß nehmen soll, das ist schon was ganz was B’sonderes. Mei, mir rinnt die Soß as Hem- mad runter als war’s a Wasserfall, dös macht mi ganz fertig... und wie sprech ich den Maharadscha denn an? „Herr Maharadscha“, des kann ma ja ned sa- gen, wenn’s da Bürgermoasta von Gaschein war, dann ganga’t das scho. Aber an Maharadscha! Wos sogt ma da? „Eure Hoheit“, des gangat vielleicht...

Aber wie die aufg’laufen sind im G’schäft, des war ja scho was; erst zwei stramme Burschen, Spalier rechts und links, ganz militarisch, zackzack, und dann der Obermufti vom Schah, und dann auf mich zu und begrüßt und g’fragt, ob ich dem Schah a Lederne machan kannt. Und ich "Ja, mein Herr", "Sehr wohl, mein Herr" und "Gern, mein Herr". Das des ausgerechnet mia passiert, mei, was war mei Muattal selig stolz g’wesen! Wos i mi frog, was kann ich denn so verlanga für a Lederne, weil der Maharadscha, des ist ja scho a reicha Mo, wenn dera so mit einer Entourage beim Mühlberger auf- schlogt, des ist ja kein Pappenstil, das kann sich unsereiner ja nicht leisten, ich bin ja nicht einmal über Salzburg hinausgekommen, auch wenn der Beppo ja jetzt den Horch hat, der so schön schnurrt auf der Autobahn, aber so a Auto, des kann sich ja keiner leisten, an Horch, an Volkswagen, an Borgward. Aber mei, wann I jetzt des guade Leder für die Hosn nehm, dann kost des scho was. Und mit Kamele, da brauchen’s ma gar ned kumma. Jetzt geht die Tür auf... und wiada zua. Wie lang i wohl noch warten muaß? ’s Maßband hab i, d’ Nodln hob i, und an Zollstock und mei Kreidn, aber - herrschaftszeiten - wo ist jetzat de Kreid’n hi? Wo ist jetzt die vermalle- deite Kreid’n? Im oberen Fach is ist ned, da unten is ned... Jeckal, do is, ja Gottseidank. Des war ja wos g’wesn, ich vor am Maharadschah und soll Maß- nehmen für die Tracht und keine Kreid’n. Da hätt i mi ja saubern blamiert vor dem hohen Herrn und der schöne Auftrag, der war perdu. Mei, mei, mei, so a kloane rassige Zigar’n, des war scho schee, weil mir gar so heiß is. Jetzt kummt’s halt drauf an, was der Mo für a Tracht hab’m wui, aus dem Salzburger Land oder gar a boarische?

Ich g’frei mi ja scho auf’s Gsicht vom Pongau, dem bleda Hund, wenn i dena beim Stammtisch verzähl, dass ich dem Maharadschah Maß g’nomma hab? Da werdn’s schaugn und der Buagl werd die Augn groß aufreissen, und der Pschemmler werd’s gar ned glaub. Und ich, ich werd’ an Schluck tun ausm Seidl tun, und ganz langsam werde ich anfangen, "Ja mei, da sans halt bei in mein G’schäft und g’frogt homs mi, ob I dem Maharadschah a Tracht machen kann. Weil dem des hoit so guad g’foit". Und dann werde ich a Pau- sen machen, und nachand werdn’s schaugn, und der Buagl werd die Augn aufreissen, ganz groß, wie Pfannahkuacha und dann werd I sogn "No, dann bin i hoid hi und hab dem Maharadscha Maß gn’numma“. Vielleicht werdns mi ja zum Trachtnkini wählen, so quasi von guter Gesellschaft zu guter Gesell- schaft...

Jetzat. Jetzat tuat sie wos. Die Tür fliagt auf. Da Mufti iss. Neikumma soll i. Mei, mei, mei, I beim Maharadscha, mein Muata, wann die dös wissat, und was kann i nur verlangen als mein Lohn?

 

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