Bergessen, 3D geprintet

Der Berghof gleich neben dem Dorfausgang ist in letzter Zeit nicht mehr besonders beliebt. Früher war er berühmt für sein Lammfleisch. Heute wollen die Dorfbewohner nichts mehr davon wissen. Auch der Bauer hat es satt. Er möchte nicht mehr die Lämmer den ganzen Sommer über auf der Alb hin und her treiben. Er möchte diese Tiere eigentlich gar nicht mehr halten müssen. Er hat sich einen 3-D Printer gekauft und will ihre Zellstruktur einfach ausdrucken. Fertig. Dabei denkt er sich etwas sehr Einfaches. Wenn er ein Fleisch in der guten Bergluft printet, und wenn er dabei nur naturbelassenes Granulat verwendet. Wo soll da der Unterschied zu einem naturgewachsenen Stück Lamm sein? Die Textur ist es nicht. Der Geschmack wird eh aus den naturbelassenen Zusatzstoffen kommen. Es ist nur ein anheimelndes Gedöhns und das Bimmeln der Herde, das den Unterschied machen wird. Aber sonst, auf dem Teller gibt es den nicht. Besser noch, das Tal hat sich ein für alle Mal vom Dreck der Schafsscheisse befreit. So denkt er sich das. Er mag es sich dabei ein wenig zu einfach machen, aber die Kalkulation gibt ihm auf dem Papier recht. Ein Kilo Berglamm kostet ihn in der Aufzucht das Doppelte und bringt den gleichen Abverkaufspreis im Gro§handel. Warum also das Getue und vor allem das viele Blut, die Schlachterei, wenn der Abnehmer es doch nicht merkt. Warum soll er dann aufzüchten und nicht printen.

Die Dorfgenossenschaft sieht das anders, aber sie kann es rechtlich nicht unterbinden. Nicht einmal, dass das .... Fleisch aus dem Ultental kommt. Dagegen kann sie nicht vorgehen. Die Printer werden das Geschäft verderben, wenn es herauskommt und in den ökoblättern steht, aber es kommt bisher nicht heraus.

Der Nachbarhof printet schon länger Maronen. Zu Recht, denn so viele Kastanienbäume gibt es ja gar nicht im Tal, um all die hungrigen Touristenmäuler zu stopfen. Und dann ist es auch nicht besser, die braunen Baumfrüchte aus Bulgarien einzufliegen. Dann lieber vor Ort printen. Das ist ökologischer. So wie mit dem Käse. Es scheint ja auch niemandem aufzufallen, dass man für den ganzen Bergkäse im Tal dreimal mehr Almen bräuchte, als sie selbst in den Seitentälern vorhanden sind. Das Printen schafft neue Räume. Kein Baum muss mehr fallen - nur für das Essen der Touristen. Es ist endlich Platz für wirklich Natur im Tal, seit sie ohne es zu ahnen dieses Granulat fressen! So kann das Tal seine Ruhe finden. Meint der Bauer mit dem 3D Printer. Die anderen finden das nicht so. aber was sollen sie schon machen. Es wird noch 5 Jahre dauern, dann gibt es vielleicht eine Slow Print Bewegung. Aber dann kommen doch alle auf den Geschmack und Rechnen durch.

Dann wird der Bauer 3D Printer handeln. Und reich damit werden. Oder sie lassen bei ihm Printen. Amal sehen. Mahlzeit.

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Bergessen, 3D geprintet von Harald Taglinger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Schweiz Lizenz.
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