Bei Fuss

Das Wellnesshotel am Fuss der Dreitorspitze. Wieder da, wieder gut zu Abend gegessen, nach der Sauna mit dem Blick in die Berge und den herbstlichen Wald des Karwendels, weit weg von unseren schwitzenden Körpern, wie ein Traum hinter der Scheibe. Dann im Speisesaal, noch in der Abenddämmerung, die Garmischer Berge. Weit hinten, aber noch gerade vor die untergehende Sonne drappiert. Die wenigen mit Gipfelkreuz, die ich dort nie bestiegen habe, am deutlichsten zu sehen. Wir standen nach dem Käse schwer auf, um uns noch schwerer mit einem Gin oder zwei in der Bar zu machen. Wir liefen vom gelben in den roten Raum, und da saß er wieder. Wie im vergangenen Jahr: der Dicke mit dem Blutdruck. Er kauerte devot auf dem Sesselchen vor seiner drallen, teigigen Frau und tat das, was er schon im Jahr davor an genau der gleichen Stelle mit der gleichen Frau gemacht hatte: er knetete ihren linken, schuhfreien Fuss. Mit Hundeblick, während seine Hand Kugelbegwegungen an ihrem murigen Waden machte. Er lächelte, suchte ihren Blick, und es gelang ihm schon nach wenigen Minuten auch eine Massage der Ferse im Rhythmus der Hintergrundmusik. Sie saß schläfrig da und lächelte gütig zurück. Eine Körperlänge weit weg und im Schutz eines sich ausbreitenden Abendrausches. Er versuchte nicht erst das Gespräch, vertraute ganz auf die Macht seiner Knetungen. Denn er wollte sie hier und jetzt, mitten unter den anderen Gästen, ganz hinschmelzen sehen, wollte ihre Nervenenden zu einem einzigen Impuls bringen, die dem Hirn ein Ja melden sollten. Hier in der Cocktailbar, während der Barkeeper am Tresen weiter hinten noch einen Martini zurecht schüttelte. Sie ließ es zu, mit einem Vielleicht in ihrem Blick.

Er denkt weiter in den Abend hinein. Wie er jetzt dann gleich auf das Zimmer schreiben lassen wird und mit einer kleinen Leichtigkeit nach weiteren Minuten der Knöchelbearbeitung fast locker vorschlagen kann, auf seine 72 (Einzelzimmer mit Alpspitzblick) zu gehen, oder zu ihr auf die 77 (Einzelzimmer mit Karwendelblick). Sie wird nicken und ihm nachfolgen. Zu ihm. Er wird sie im Aufzug küssen und ihr an den Oberschenkel greifen, diesen kurz über sein Bein ziehen, was sie mit einem Lächeln quittieren wird. Den Zimmerschlüssel wird ganz langsam in das Schloss stecken und sie dabei tief anschauen. Die Türe wird aufgehen und ihr den Vortritt anbieten. Dann wird er ihr mit einer charmanten Geste vorschlagen, es sich doch auf dem Bett bequem zu machen, die Schuhe auszuziehen und vielleicht auch die Feinstrümpfe ganz abzustreifen. Vor seinen Augen. Was sie auch mit einem vielsagenden Lächeln tun wird. Und er wird wieder, sobald sie mit halb geöffneten Beinen auf dem aufgeschlagenen Bett zu liegen kommt, mit seinen unwiderstehlichen Kreisbewegungen ansetzen, ihre Blick suchen, dann langsam mit der einen Hand in Richtung ihrer schlaff sich ergebenden Waden massieren. Sie wird sachte die Beine weiter öffnen und er kann in seinem immer weiter nach oben wandernden Weg ihren Rock unerhört weit – aber langsam, natürlich – zurückschieben, inzwischen schon die Innenseiten ihrer Knie sehen. Ein erstes Seufzen von ihr wird wie eine Belohnung auf halbem Weg die Erlaubnis erahnen lassen, nun noch vorsichtiger und doch bestimmend einen der beiden Schenkelinnenseiten zu massieren. Immer weiter hinauf. Sie wird lächeln, ihre Hand leicht auf seinen Reissverschluss legen und ihn dann nach einer kleinen Pause Glied für Glied öffnen. Ihn herunterzippen, bis sie ganz einfach und einen Kuss auf seine Lippen andeutend die fast hervorspringende Eichel oben zu fassen bekommt. Er hat indessen seine Rechte auf ihre Unterwäsche gelegt und zieht sie duftend über die schon eingestimmten Knie herunter, findet seinen Weg selbst keuchend zurück und kreist mit seinen Fingern leicht neben ihrem sich öffnenden Spalt. Gegen den Uhrzeigersinn, um die Zeit stehen zu lassen und ihre Schamlippen immer wieder mit jeder Umkreisung der Kuppen leicht auseinander zu bringen, deren feuchte Bewegungen zu geniessen, wie sie sich zueinander neigen und fast leuchtend rot schimmern, einen Weg tief hinein in sie andeuten und die Wärme eines aufkommenden Pulses zu zeigen. Sie hat ihn hart umschlossen und tanzt mit den linken Fingern zu einem Ring geneigt an seinem Schaft auf und ab. Gleich wird er da sein und sich über Füsse ergiessen. Dann, wenn auch sie lauter atmet und schon fast bei ihm sein wird. Dann windet sie sich und legt ihre rechte Hand zuerst geballt auf einen ihrer zuckenden Oberschenkel, murmelt ein „Jetzt“, bevor ihre Stimme hin die Höhe schnellt. Sein Strahl wird sich weiss auf ihren Knien finden und er wird zusammensacken, um sein Gesicht auf ihre Fersen zu legen. So werden sie lange fast bewegungslos verharren, bis sie sich wieder anschauen. Tief anschauen und sich dann vielleicht sogar küssen. Das weiss er, das kann er jetzt schon alles wie an einem Weg bis hin zum Hotelzimmer aufgereiht sehen.

Sie denkt daran, dass es morgen zurück in die Stadt geht, und dass sie auf dem Heimweg noch ein wenig einkaufen gehen möchte. Sie ist müde, die Massage stört sie nicht.

Wir gingen weiter. Der Gin wartete. Man sieht sich nächstes Jahr.

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Bei Fuss von Harald Taglinger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Schweiz Lizenz.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter http://www.taglinger.de/ erhalten.



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